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Albert Breuer – Fotografie der Gründerzeit


Buch zur Ausstellung

Ausstellung vom:
01.03.2015 - 16.08.2015

 

Ausstellungsort:
Viersener Salon
Villa Marx
Gerberstraße 20
41748 Viersen

 

 

Bei Ihrem Besuch im „Viersener Salon“ haben Sie unseren Ausstellungsraum ganz anders erlebt als bei der ersten Ausstellung über den „Niederrhein als Schauplatz europäischer Geschichte“. In der Mitte des Raums haben wir ein Wohnzimmer der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgebaut, mit zeitgenössischem Mobiliar und den dazu passenden Familienfotos von Albert Breuer. Im übrigen haben wir das Atelier des Fotografen nachgebildet, mit den von Henriette Janssen-Klaar gemalten Kulissen, die den Kulissen entsprechen, die Albert Breuer für seine Fotos benutzt hat. In dieser historischen Kulisse konnte man sich auch fotografieren lassen. Gleichzeitig sahen Sie dazu passende Möbelstücke sowie eine Balkenkamera aus dem Besitz des Kramer-Museums in Kempen sowie ein damals übliches schwarzes Brautkleid aus der Dorenburg in Grefrath. In den Vitrinen wurde einerseits die Geschichte der Fotografie an Hand von vielen museumsreifen Stücken aus einer Privatsammlung dargestellt wie andererseits die Geschichte der damals prosperierenden Stadt Dülken an Hand von Dokumenten, Firmen-Anzeigen und Festschriften. An den Wänden war eine Vielzahl von Fotos von Breuer, zum Teil in zeitgenössischen Rahmen zu sehen, die ein repräsentatives Bild von der damaligen Dülkener Gesellschaft, der Industrie, der Vereine und der städtischen Ereignisse abgaben. Auf zwei touch-screens konnten Sie ein Foto von Breuer als Puzzle zusammenstellen und auf einem großen Monitor wurde Ihnen nochmals ein Überblick gewährt über die von Breuer bei seinen Fotos benutzten Requisiten, seine Logos, seine Werbung und die von ihm Portraitierten.

Albert Breuer (1839-1901) eröffnete 1866 das erste „Photographische Atelier“ in der niederrheinischen Kleinstadt Dülken und betrieb es 35 Jahre lang bis zu seinem Tod. Erst ein Jahrhundert nach seinem Tod tauchte ein großes Konvolut von Breuers Photographien auf: offenbar Reste, Muster, Ausstellungsstücke und Probeabzüge aus seinem Atelier, völlig ungeordnet und ohne Datierungen und Bildbeschreibungen. Dennoch erlaubt dieser Bestand aus annähernd 2000 Bildern einen ungewöhnlichen Einblick in die Kultur- und Sozialgeschichte der Photographie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Nach den Daguerreotypisten, deren Zahl noch gering war und die vor allem in Groß- und Residenzstädten oder als Wanderfotografen tätig waren, gehört Breuer zur ersten Generation niedergelassener Berufsfotografen. Als einer ihrer frühen Vertreter in der niederrheinischen Provinz profitierte auch Breuer von der Weiterentwicklung der Photographie zum Reproduktions- und Massenmedium und von der rasant wachsenden Nachfrage nach Portrait- und Familienfotos. Vorwiegend als Atelierfotograf tätig und in seiner Stadt lange ohne Konkurrenz, lichtete Breuer in seinem Berufsleben einen großen Teil der Bevölkerung Dülkens ab und schuf so eine Art Familienalbum einer Kleinstadt.

Der Historiker und Journalist Helge Drafz (geb. 1962), bekannt durch seine Arbeit für das WDR Fernsehen, ist Kenner und Sammler historischer Photographien. Er konnte von uns für die Aufgabe gewonnen werden, den Nachlass Breuers, der vom Heimatverein und dem VVV Dülken angekauft worden war und sich heute im Stadtarchiv Viersen befindet, zu sichten, zu ordnen und zu beschreiben. In unserem Buch (Titelblatt/Cover in der Anlage zu Ihrem Mail) schildert Drafz am Beispiel Albert Breuers die Arbeitsbedingungen gewöhnlicher Berufsphotographen des 19. Jahrhunderts, deren Bilder in Millionen von Photoalben landeten. Er analysiert die Ästhetik der Portrait- und Gebrauchsphotographie vor dem Hintergrund der traditionellen Funktionen von Photographien: Erinnerung und Repräsentation.