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Kaiser´s Kaffee in Viersen - Vom Kolonialwarenladen zur Weltfirma

Ausstellung vom:
30.10.2016 bis 30.04.2017

Ausstellungsort:
Viersener Salon
Villa Marx
Gerberstraße 20
41748 Viersen

Josef Kaiser und sein Imperium

Wer sich mit der Biografie von Josef Kaiser befasst, fühlt sich augenblicklich an das amerikanische Klischee einer Karriere vom „Tellerwäscher zum Millionär“ erinnert. Mit Fleiß und Ideenreichtum gelang ihm ein kometenhafter Aufstieg vom jungen, selbst grüne Kaffeebohnen röstenden Kleinkaufmann, der mit Pferd und Wagen von Ort zu Ort zog, zum steinreichen Eigentümer zahlreicher Geschäfte im ganzen Deutschen Reich – „eines der Märchen unserer Zeit“, wie etwas euphorisch, aber im Kern zutreffend gesagt wurde.

Abbildung 1: Im Abformraum für Tafelschokoladen wird die flüssige Schokolade in Form gebracht.

Geboren wurde Josef Kaiser am 20. Oktober 1862 auf dem Hoser in Viersen als eines von sieben Kindern des Leinewebers Hermann Kaiser und seiner Frau Gertrud, geborene Liesemanns, die ein kleines Kolonialwarengeschäft, einen „Winkel“, betrieb. Josef schloss mit 18 Jahren eine Lehre als Schlosser und Kupferschmied ab, Josef Kaiser und sein Imperium trat aber in das Kolonialwarengeschäft ein. Mit einem guten Geruchs- und Geschmackssinn ausgestattet, röstete er selbst Kaffee. 1882 wurden zwei Rösttrommeln gekauft, die 1885 auf Gasmotorbetrieb umgestellt wurden, alles offenbar mit Erfolg, denn noch im selben Jahr konnten der erste Angestellte beschäftigt, Filialen in Duisburg, Essen und Bochum eröffnet werden.

Noch firmierte der Betrieb unter „Dampf-Kaffee- Rösterei von Hermann Kaiser“. Der unternehmerische Grundgedanke lautete, „gute Standardwaren in überschaubarem Sortiment zu niedrigen Preisen auf dem kürzesten Weg bei einheitlicher Ausstattung des Filialnetzes zu vermarkten“ (Schulte). Beim Tod des Vaters 1890 war ein Kapitalwert von 30.000 Goldmark erwirtschaftet. Josef Kaiser heiratete die Brauereibesitzertochter Julie Didden, die als klug und energisch beschrieben wird. Der junge Kaufmann verfügte über eine ausgezeichnete Warenkenntnis, kaufte den Kaffee in London, Rotterdam und Le Havre und leitete 1894 eine großzügige Industrialisierung ein. Rasant wuchs die Zahl der Filialen und eigenen Produktionsbetriebe. 1897 wurde in Bamberg die 100., in Regensburg 1899 die 400. eröffnet. Bald umfasste die Produktpalette auch Schokolade und Malzkaffee.

Eine Jugendstildarstellung zeigt 1905 in der Mitte die gewaltige „Chokolade-Fabrik in Viersen“ und die Röstereien in Berlin, Breslau, Heilbronn und Viersen.

1904 schuf Paul Boehm in Berlin die berühmte lachende Kaffeekanne, das überall bekannte und erkannte Markenzeichen der Firma, die unter dem Namen „Kaiser’s Kaffee-Geschäft“ zu deutschlandweitem Ruhm kam. Bis 1913, ein Jahr vor Ausbruch des Krieges, war ein gigantisches Verkaufsnetz von 1.333 Geschäften mit 3.180 Arbeitern und Angestellten entstanden.

Josef Kaiser war ein gemachter Mann, sein Ansehen vorzüglich, zumal er auch großes soziales Engagement zeigte. 1897 gründete er eine Betriebskrankenkasse. Ihr folgte eine Unterstützungskasse und eine Altersversorgungskasse ohne Beitragsleistung sowie eine Geschäftssparkasse für das Personal. 1910 wurde die Julie-Kaiser-Stiftung für Wöchnerinnen des Personals ins Leben gerufen. Im selben Jahr wurde Josef Kaiser der Titel eines Kommerzienrates verliehen.

Abbildung 2: Blick in die Kakao-Rösterei der Firma Kaiser’s Kaffee in Viersen.

Nach dem Ersten Weltkrieg ging die Zahl der Filialen wegen des Verlustes des Elsass auf 1.043 zurück, was den Ruf des Unternehmens als bahnbrechender Pionier des Filialsystems aber nicht schmälerte. Das soziale Engagement ging weiter: 1921 stiftete Kaiser’s Kaffee jeder Gemeinde mit einer Filiale 1.000 Mark zur Unterstützung der Armen.

In Viersen selbst war sein 70. Geburtstag 1932 ein Höhepunkt. Die Stadt, der er auch 35 Jahre als Beigeordneter gedient hatte, verlieh ihm die Ehrenbürgerschaft. 1913 schon hatte Josef Kaiser mit der gewaltigen Summe von 130.000 Goldmark den Bau der Festhalle ermöglicht. Bis 1939 wuchs die Zahl der Filialen auf 1903. Im Jahre 1911 hatte Josef Kaiser den alten Waldnieler Adelssitz Haus Clee gekauft, den er im Stil eines englischen Landhauses umgestaltete. Hier starb er am 17. Juni 1950. Schwer hatte ihn der plötzliche Tod seiner Frau kurz nach der Goldhochzeit 1942 getroffen. Schwer waren auch die Einbußen nach 1945. 1.128 Filialen gingen verloren: 748 östlich der Elbe, 25 im Saarland, 110 in der Schweiz, 245 waren in Westdeutschland im Krieg zerstört worden.

Kann man Josef Kaisers Erfolg auch in mancher Hinsicht als einzigartig bezeichnen, so ist er doch auch kennzeichnend für die Gründerzeit- und Unternehmermentalität des wilhelminischen Deutschland. Auf jeden Fall ist er eine Persönlichkeit, die Wirtschaftsgeschichte geschrieben hat. Für Viersen war seine Erfolgsgeschichte ein großer Glücksfall.

Abbildung 3: Der Kaiser's Fuhrpark

      

Abbildung 4 (links): Die Kaiser's-Filliale an der Süchtelner Hochstraße.

Leo Peters, aus dem Buch „Der Niederrhein – Schauplatz europäischer Geschichte

 

 

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